Schuljahr 2005-2006

Miteinander - Füreinander

Tutorensystem des Gymnasiums Berchtesgaden weiterhin erfolgreich

Warum ein Tutorensystem?

Der Grundgedanke

Wer hilft wem?

Was wird besprochen?

Der neue Schulnachmittag

Tutoren von Fachlehrern geschult

Materialien zum Download

Warum ein Tutorensystem?

"Eine gute Ausbildung ist die Grundlage für eine gute Zukunft" — dieser Satz hat bis heute nichts von seiner Bedeutung verloren. Im Gegenteil: In unserer Zeit der Globalisierung und des immer knapper werdenden Angebotes an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen gilt er mehr denn je. Je besser der Schulabschluss und die Ausbildung, desto besser die Perspektiven, die sich den Jugendlichen bieten.

Der Schule kommt somit eine herausragende Rolle in der Gesellschaft zu, denn hier werden durch den Unterricht und die Beurteilung der Schüler Lebenschancen verteilt. Leider findet diese Tatsache oft keinen Niederschlag in den finanziellen Mitteln, die den Schulen zur Verfügung stehen: Lehrermangel, große Klassenstärken, Raumnot führen oft zu Frustration, Unlust und gar Arbeitsverweigerung bei Lehrern und Schülern.

Immer öfter wird heute den Schulen der Vorwurf gemacht, sie ließen schwächere Schüler ohne ausreichende Hilfestellung mit ihren Problemen allein und letztlich scheitern. Wegen des Zeitdrucks, den überfrachtete Lehrpläne erzeugen, würden die Lehrer zu wenig auf die einzelnen Schüler eingehen: Für sie zähle nur die Vermittlung des Lehrplanstoffes. Für nochmaliges Wiederholen und Vertiefen fehle allzu oft die Zeit.

Hinzu kommt, dass die familiären Verhältnisse einer wachsenden Schülerzahl ein gründliches Nacharbeiten des in der Schule behandelten Unterrichtsstoffes oder eine Hausaufgaben-Betreuung durch die Eltern unmöglich machen. Alleinerziehende und berufstätige Eltern haben Schwierigkeiten, sich im nötigen Maß mit der schulbegleitenden Betreuung ihrer Kinder zu befassen. Teure Nachhilfestunden belasten das Familienbudget. In der Folge müssen viele Kinder ihre gymnasiale Ausbildung nicht aufgrund mangelnder Begabung oder Intelligenz, sondern aufgrund fehlender Betreuung abbrechen.

Aus diesen Gründen wird der Ruf nach einer Ganztagesbetreuung durch die Schulen bei Eltern und Politikern immer lauter — nur mangelt es an den finanziellen Mitteln zur Umsetzung dieser Forderung. Es gibt zu wenig Geld für zusätzliche Lehrer oder Pädagogen, die die Kinder am Nachmittag betreuen. Aber muss es denn immer eine von oben verordnete Umsetzung sein? Müssen wir warten, bis andere Leute uns fertige Lösungen präsentieren?

Sicher nicht. Schule soll mehr sein als eine Stätte, wo Unwissenden von Wissenden Wissen eingebläut wird. Schule stellt sich heute dar als ein Begegnungsfeld von Schülern, Lehrern und Eltern, der "Schulfamilie", wie es so schön heißt.

In einer Familie aber übernehmen die einzelnen Mitglieder Verantwortung füreinander: Sie arbeiten nicht gegeneinander, sondern sie unterstützen sich gegenseitig, und zwar jedes Mitglied im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Ausgehend von dieser Auffassung von Schule, haben sich einige Schüler und Lehrer gefragt, ob man nicht das große Potential an Wissen und Hilfsbereitschaft bei Schülern und Lehrern anzapfen könnte, um den anderen, vielleicht schwächeren "Familienmitgliedern" beizustehen.

Und so wurde unser Tutorensystem geboren.

Der Grundgedanke

Das Prinzip, auf dem das System basiert, lässt sich relativ leicht zusammenfassen:

Geeignete Schüler aus höheren Jahrgangsstufen helfen zusammen mit den Fachlehrern freiwillig und unentgeltlich in ihrer Freizeit Schülern aus unteren Jahrgangsstufen in den sprachlichen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Kernfächern: Englisch, Französisch, Italienisch, Latein und Spanisch im sprachlichen, Chemie, Mathematik und Physik im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Dieses gemeinsame Arbeiten schweißt die Mitglieder der Schulfamilie noch stärker zusammen.

Wer hilft wem?

Die Teilnahme an den Tutorenstunden ist kostenlos und steht allen Schülern offen. Anders als bei den Vormittagsstunden soll kein System mit absoluter Anwesenheitspflicht geschaffen werden, sondern ein freiwilliges Zusatzangebot für interessierte Schüler.

Die Tutorenteams (bestehend aus 2 Schülern) für eine Jahrgangsstufe rekrutieren sich stets aus Jugendlichen einer höheren Jahrgangsstufe (im Regelfall 2 Jahrgangsstufen darüber).

Grundsätzlich kann sich jeder Schüler als Tutor bewerben. Ein Team aus Lehrern und der Schülermitverwaltung (SMV) wählt aus diesen Bewerbungen die Tandems aus.

Für das zweite Halbjahr 2002/2003 hatten sich aus den Jahrgangsstufen 7 mit 11 stolze 134 Schüler als Tutoren beworben — ein klarer Beweis dafür, dass das Tutorensystem auf breite Zustimmung in der Schülerschaft stößt.

Im neuen Schuljahr wird zusätzlich zu den Klassen 5 mit 9 auch die Jahrgangsstufe 10 von Tutoren betreut werden, da sich alle Tutoren bereit erklärt haben, noch ein weiteres Jahr als Tutoren zu arbeiten — ein schöneres Lob hätte sich die Schule gar nicht wünschen können! Die Zahl der Tutoren ist somit auf stolze 55 Schülerinnen und Schüler gestiegen.

Die Fachlehrer der jeweiligen Jahrgangsstufe stehen in engem Kontakt zu den Tutoren. Sie stellen in Zusammenarbeit mit den Fachschaften Übungsmaterial zur Verfügung und legen in Absprache mit den Tutoren die Inhalte der Tutorenstunden fest. Für jedes Fach sollte zu der Zeit, in der die Tutorenstunde stattfindet, ein Fachlehrer im Haus sein, der von Gruppe zu Gruppe geht und Fragen beantwortet oder sonstige Hilfestellung leistet. Dieser Fachlehrer hat auch die Aufsicht bei der parallel zu den Tutorenstunden angebotenen Hausaufgabenbetreuung.

Eine zum Thema "Tutorensystem" einberufene Lehrerkonferenz stimmte im letzten Jahr mit überwiegender Mehrheit für dessen Einführung, auch wenn dies eine zusätzliche, freiwillige Mehrarbeit bedeutete.

Auch die Elternschaft soll in das System eingebunden werden. Für die geplante Schulung der Tutoren (siehe unten) hat der Elternbeirat eine finanzielle Förderung in Aussicht gestellt. Langfristig wäre eine Einbindung der Eltern in das System denkbar, die aus der Leitung von bestimmten zusätzlichen Stunden wie Computerkursen oder Sportangeboten besteht. Bei der Hausaufgabenbetreuung könnte man ebenfalls auf interessierte Eltern zurückgreifen.

Was wird besprochen?

Die Inhalte der Tutorenstunden ergeben sich aus der Situation der Klassen. Sie reichen von gezielter Wiederholung alten Unterrichtsstoffes über Nachbereiten des aktuellen Stoffes bis zum speziellen Einüben vor Schulaufgaben. Was genau besprochen wird, legen die Fachlehrer der Klassen in Absprache mit den Tutoren fest.

Die Tutorenstunden finden an zwei Nachmittagen in der Woche in der Schule statt, an einem sprachlichen und einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Nachmittag. Dabei gilt die Regel, dass zu einer bestimmten Zeit die Tutorenstunden für ein bestimmtes Fach für alle Jahrgangsstufen gleichzeitig stattfinden.

Der neue Schulnachmittag

Wie anfangs erwähnt wird die Forderung nach einer Ganztagesbetreuung der Schüler immer stärker. Um dieser Forderung Rechnung zu tragen, wurde am Gymnasium Berchtesgaden der Schulnachmittag neu gestaltet.

Das Tutorensystem stellt einen wesentlichen Baustein des neu konzipierten Schulnachmittags dar. Hinzu kommt die parallel angebotene Hausaufgabenbetreuung, die von den beim Tutorensystem anwesenden Fachlehrern geleistet wird. Die Unterrichtsstunden des Pflichtunterrichtes und des Wahlpflichtunterrichtes (z. B. Computer / Sport / musischer Bereich / Naturwissenschaften) ergänzen das Angebot der Schule.

Das neue Schulhaus wird alle technischen Voraussetzungen für dieses moderne Konzept von Schule erfüllen. Es wäre schade, wenn dessen Möglichkeiten nicht genutzt würden. Schule soll am Gymnasium Berchtesgaden in Zukunft nicht mehr als lästige Pflichtveranstaltung, sondern als wirklich konstruktives Miteinander aller Mitglieder der Schulfamilie empfunden werden, das auf eine optimale Ausbildung für jeden Schüler abzielt. Jedes Mitglied der Familie hat einiges zu bieten und erhält nun die Gelegenheit, sich einzubringen.

Tutoren von Fachlehrern geschult

Um die Tutoren optimal auf ihre Aufgaben im neuen Schuljahr vorzubereiten, wird zu Beginn eines jeden Schuljahres eine Tutorenschulung durchgeführt.

Materialien (Schulungsunterlagen, Programme) zum Download

 

Andreas Schöberl

 

Zur Homepage der Schule.

Letzte Überarbeitung: 23.09.2011