Soziales Engagement

„Ich habe Zeit für dich, was tun wir?“

"Mit einer größeren Seele als ich selbst, zwischen 80 und 115 Jahre alt, um viele traurige und schöne Momente reicher, als große Fans der klassischen Musik, als gute Zuhörer… aber auch als Menschen, deren Gedächtnis und Augenlicht nachlässt, deren Haare ergrauen"

-so stellen sich 13 Sechstklässler ältere Menschen vor. Auf der Schulung in der Felicitas. Um selber auszuprobieren, wie es sich anfühlt, „alt“ und hilfsbedürftig zu sein, füttern sich die Schüler ihr Dessert gegenseitig mit verbundenen Augen, bowlen mit Altersbrillen, die den Blickwinkel einschränken oder spielen mit übergroßen Figuren „Mensch ärgere dich nicht“. Der Festsaal in der Felicitas ist erfüllt von einer Klangkulisse aus Heiterkeit und Ernsthaftigkeit. Und zunehmend von der Erkenntnis, dass nicht nur Jahrzehnte in punkto Alter, sondern auch Lebenswirklichkeit die Gymnasiasten von den Senioren trennen. Können da Freundschaften entstehen? Sarah Zeisler (9b) besucht seit vielen Jahren „ihre“ Seniorin: „Die Käte – und sie hat mich auf Schach gebracht“, sagt sie. „Und ich habe bei dem Projekt erkannt, wie viel man gerade wegen des Altersunterschieds voneinander lernen und miteinander lachen kann.“ – Mit ihrem anschaulichen Erfahrungsbericht beantwortet sie die vorab gestellte Frage mit einem klaren „Ja.“ Zumal Sarah ihre Seniorin von ihrer größeren Schwester Laura (Q12) „geerbt hat“. (Das Projekt gibt es seit 2010.) „So lebendig ist es hier selten!“, ruft eine Seniorin bei der ersten Tour der Schüler durch die Felicitas, bei der diese auf Hausbewohner treffen, die in Brettspiele vertieft sind, aber die jungen Besucher sogleich mitwürfeln lassen. Und genau darum geht es: Gemeinsam tun, was Spaß macht, um gegenseitigen Respekt und um Vertrauen. Dazu gibt es von Hildegard Eder, Leiterin der sozialen Betreuung in der Felicitas, weitere Anregungen: vom Backen bis zum Bingo.

Es stellt sich heraus, dass die unterschiedlichen Generationen ganz ähnliche Bedürfnisse haben – nicht zuletzt eine Sehnsucht nach Anerkennung und Geborgenheit. "Alter ist Einstellungssache. Man kann hoffentlich immer verspielt bleiben", befindet schließlich ein Sechstklässler. Andere nicken. Ab sofort beginnen die Besuche der Schüler. Besuche, aus denen Begegnungen werden können.

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