Königstochter im Lumpenhemd
Die Unterstufe der Theatergruppe des Gymnasiums Berchtesgaden
zeigt "Chaos im Hause Tudor"
Berchtesgaden Das Chaos scheint vorprogrammiert. Ann, das Bettlermädchen,
das selbst die ihr so wertvolle Büchersammlung eintauschen würde,
um wenigstens ein einziges Mal in das Kleid einer Prinzessin zu schlüpfen,
jagt ihren Träumen hinterher. Ihre Träumereien schöpft
sie aus den Geschichten ihrer Bücher, nichts ahnend, dass diese bald
in Erfüllung gehen werden. Mit unverhofften Folgen für alle
Beteiligten, wie die Verwechslungskomödie des 23-köpfigen Unterstufen-Theaters
des Gymnasiums Berchtesgaden zeigen sollte. Unter der Leitung von Dr.
Brigitte Lee lud das Ensemble nun in die Aula des Gymnasiums zu
"Chaos im Hause Tudor" von Bernd Kolarik, nach einer Erzählung
von Mark Twain.
London auf der einen Seite ein heruntergekommenes Armenviertel, auf
der anderen Seite: der Hof des Tudorkönigs Heinrich VIII. Hier das Bettlermädchen
Ann, verträumt, aufgewachsen in schwierigen Verhältnissen, dort drüben
die Königstochter und Thronfolgerin Johanna. Am Tag ihres Geburtstages
beide werden 15 Jahre alt begegnen sie sich. Dass der Tag eine
schicksalhafte Wendung mit sich bringen würde, ahnen sie anfangs noch nicht.
Erst nachdem sie die Rollen getauscht haben, weil die Unzufriedenheit überwiegt,
wird die Situation des Gegenübers offenbar. Das Volk befindet sich in Nöten,
der Hof lebt unter Zwängen. Bettlermädchen Ann hat sich ihre Rolle
als Königstochter, die sie mit der eigentlichen Prinzessin Johanna tauschte,
doch anders vorgestellt. Das Leben am nach Regeln funktionierenden Hof ist fern
jeglicher Träumerei gegensätzlich, anders als Ann es sich in
ihren kühnsten Vorstellungen erwartet hatte. Auch Johanna, die Prinzessin,
die sich nun im Bettlerviertel herumtreibt, erkennt den wahren Zustand derer,
die das Leben auf der Straße fristen, tagtäglich den Kampf um das
Überleben aufs Neue bestreiten. Dass der Rollentausch nicht ohne weiteres
rückgängig gemacht werden kann, damit werden die beiden in harter
Weise und jedes Mal auf ein Neues konfrontiert.
23 Jungschauspieler bilden die Theatergruppe der Unterstufe. 23 Schüler
und Schülerinnen, die sichtlich Spaß an der Sache haben, die Bühne
mit Leben erfüllen. Die Textpassagen sitzen, auch das Improvisationstalent
des Einzelnen kommt zum Tragen. Die Rollendichte ist beachtlich, selbst die
Hauptdarsteller wurden doppelt besetzt. Auch der Zuspruch, den die Theatergruppe
seitens der Jugendlichen erfährt, ist gewaltig. Indes ist die Gruppe der
Mitwirkenden noch einen Tick umfangreicher: Schlagwerk, Chor, Ton-und-Technik-Mannschaft,
Bühnenbild und Akrobatiktruppe "fast ein ganzes Schuljahr"
wurde an der Realisierung des Stückes gearbeitet. Der Lohn der Mühe
zeigt sich dann auf der Bühne, wenn Fünft- bis Siebtklässler
in ihren höchst unterschiedlichen Rollen so kurz vor den Ferien
noch einmal zu Höchstleistungen auflaufen.
kp
Fotos: J. Wenzel
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