Fahrten

Wirbelwinde, weiße Wüsten, wilder Westen

Wieder einmal hatten Schüler der 10. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Berchtesgaden die Chance auf ein spannendes, vierwöchiges Abenteuer in den USA. Je 16 Mädchen und Buben durften mit vier Lehrern auf eine großartige Studienreise durch den Südwesten und Westen der Vereinigten Staaten gehen.

Das Abenteuer begann in Atlanta. Dort bekamen wir schon einen Vorgeschmack auf das, was die USA in Sachen Größe zu bieten haben: die größten Fische der Welt, Walhaie, ziehen im riesigen Aquarium of Georgia zu Forschungszwecken ihre Runden durchs Wasser. Nach diesen maritimen Eindrücken ging es in das Coca-Cola Museum, in dem es eine Führung mit anschließender Verkostung aller Coca-Cola Produkte der Welt gab – manche von ihnen erwiesen sich als sehr gewöhnungsbedürftig! Etwas Geschichte erfuhren wir beim anschließenden Besuch beim Grab von Dr. Martin Luther King Jr., unser erster Kontakt mit der Bedeutung der “Civil Rights Movement“ (der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung) näher.

Und schon ging es weiter in den Westen nach Dallas (Texas). Wir besuchten den Ort, an dem John F. Kennedy erschossen wurde, ließen uns im zugehörigen Sixth Floor Museum auf die verschiedensten Verschwörungstheorien zu seinem Tod ein und lernten viel über JFKs Einfluss auf die Geschicke Amerikas. Im Museum of Modern Art gab es erstaunlicherweise eine bunte Mischung aus sehr vielen Epochen zu sehen, darunter auch sehr beeindruckende indianische Kunst. In Dallas hatten wir auch erstmals die Möglichkeit, in kleinen Gruppen richtig essen zu gehen, eine Chance, die wir mit Freude nutzten. Die erste echte outdoor activity wartete weitere sieben Stunden Autofahrt entfernt in Carlsbad, New Mexico, auf uns. Mittlerweile hatten wir bereits die zweite Zeitzone hinter uns gelassen und mussten die Uhren nun auf Mountain Time umstellen, acht Stunden hinter der deutschen Zeit. Die Carlsbad Caverns im Staat New Mexico stellten die erste Herausforderung in Sachen Wandern dar. Die Aufzüge funktionierten nicht; das bedeutete, dass wir neben dem sehr steilen Abstieg in diese fantastische Tropfsteinhöhle denselben Weg zurückzugehen hatten. Manch einer fragte sich nach dem Aufstieg, welche netten Überraschungen die Lehrer denn noch auf Lager hätten.

Die nächste Schönheit der Natur machte die Mühen dieser Wanderung mehr als wett: “White Sands National Monument“, die schneeweiße Wüste, in der immer der Klassiker unter den USA-Fahrt Fotos geschossen wird, die Dünensprünge in den warmen Sand. Am nächsten Ziel der Fahrt, in Tucson, Arizona, hielt die Natur etwas Besonderes für uns Berchtesgadener bereit. Es gibt hohe Berge, die durachaus an die Alpen erinnern, aber anstelle von Bäumen wächst dort eine sehr große Kakteenart namens “Saguaro“ (ausgesprochen “Sawaro“). Diese riesigen Gliederkakteen, die jeder aus vielen Western kennt, säumen dort alle Hügel und Berge und wirken wie aufgestellte Bleistifte. Die einheimischen Indianer glauben, jeder Saguaro verkörpere einen verstorbenen Indianer, der zurückkam und jetzt über die Menschen wacht. Im Sonora Desert Museum, einem mitten in der Wüste gelegenen Freilandmuseum, lernten wir alles über die Fauna und Flora dieser Wüste, die sich als sehr grün und alles andere als unwirtlich oder leblos erwies. In Tucson erwartete uns auch noch eine der längsten Wanderungen der Fahrt. Diese ging durch die Berge der Sonora Wüste, in der weit und breit nur Kakteen wachsen. Amüsiert stellten wir fest, was für einige von uns zur Grundausrüstung beim Bergwandern gehört: Feuchttücher, Giftsauger, mehrere Paar Shorts – manche von uns hatte wirklich die unnötigsten Dinge dabei.

Am nächsten Tag erlebten wir die Verrücktheit Amerikas in ihrer reinsten Form: Wir fuhren zum Salvation Mountain, einem aus Lehm und Stroh erbauten Berg und mehreren Höhlen, die mit ihren bunten Farben aus der Flower Power Zeit übrig geblieben zu sein scheinen. "Jesus Loves You", so steht es überall dort geschrieben. Auch Heidi Klum und ihren zukünftigen Topmodels war der Ort vor ein paar Jahren schon ein Fotoshooting wert. Nach einem kurzen Hike auf den Ryan Mountain im Joshua Tree National Park freuten wir uns auf den Spaziergang über den berühmten Walk of Fame und einen Besuch im Hard Rock Café. Nach diesem kurzen Stop in Los Angeles lag schon das neue Ziel vor uns: San Francisco. Als wir am Hotel ankamen, war es bitterkalt für uns sonnenverwöhnte Reisende, da wir in den letzten Tagen nur hohe Temperaturen genossen hatten. Unser erstes Ziel? Die Golden Gate Bridge natürlich! Wir fuhren unverzüglich dorthin und wurden anfangs sehr enttäuscht, denn starker Nebel waberte um die Brücke und machte die Aussicht eher mäßig. Am nächsten Tag, dem Ostersonntag, konnten wir sie jedoch bei praller Sonne in ihrer ganzen Pracht bewundern. Viele von uns fuhren vorher zu einem amerikanischen Ostergottesdienst in eine katholische, asiatische Gemeinde, die uns mit offenen Armen empfing. Der Pfarrer begrüßte uns ausdrücklich, sprach von deutschem Bier und Fußball und vermittelte uns das Gefühl, dort sehr willkommen zu sein. Nach einem Drink bei Starbucks gab es für uns alle im Hotel eine kleine Oster-überraschung: Kleine Cupcakes und gefüllte Plastikostereier waren in den Vans verteilt worden und mussten gefunden werden ("egg hunt", wie die Amerikaner sagen). San Francisco selbst wurde von uns mittels der berühmten Cable Cars und zu Fuß besichtigt. Als aufschlussreich und sehr exotisch erwies sich unser Weg durch Chinatown und den dortigen Lebensmittelgeschäften. Andere Länder, andere Sitten – nie schien der Spruch so wahr wie dort. Nach einem Abstecher in den Big Basin Redwoods State Park, in dem wir von zwei Rangerinnen alles über diese höchsten Bäume der Welt erfuhren, ging es auch schon weiter zur wohl bekanntesten Wüste der USA: dem Death Valley. Nach einem Hike bei gefühlten 36° erahnten wir, woher das Tal des Todes seinen Namen hat. Trotzdem waren wir sehr beeindruckt von dem bunten Gesteinsschichten, aus denen das Valley besteht. Nach der Einsamkeit des Death Valley näherten wir uns am Abend dem blinkenden Lichtermeer der Wüstenstadt Las Vages. Zwei volle Tage Las Vegas mit Achterbahn, All-You-Can-Eat-Buffet, Frühstück bei Starbucks aber natürlich auch Hikes - ja, auch rund um Las Vegas gibt es hohe Berge – der State Park Valley of Fire und der Hoover Dam faszinierten uns.

Das galt auch für unseren nächsten Stop, dem Grand Canyon. Bis zur Mitte haben wir den Abstieg geschafft, weiter durften wir leider nicht gehen. Der Colorado River, der diesen Canyon geformt hat, bot uns auch an der Horseshoe Bend, angeblich einem der zehn schönsten Orte des Planeten, einen fantastischen Blick auf diese hufeisenförmige Schleife. Nach einem Fotostop im Monument Valley auf den Spuren von Forrest Gump bewunderten wir das Natural Bridges National Monument und erste Felsbauten der Anasazi Indianer im Hovenweep National Monument. Tags darauf In lockte der berühmte Arches National Park und am Abend zog uns der Sonnenuntergang auf dem Island in the Sky in seinen Bann. Angesichts der atemberaubenden Schönheit flossen hier auch gar manche Tränen. Der schönste Hike der Reise wartete in den Canyonlands auf uns: eine fast sechsstündige Wanderung mit Bergsteigen, Spaltendurchschreitungen und Schluchtüberquerung. Als kulturelles Highlight schauten wir uns am folgenden Tag die architektonischen Künste der Anasazi Indianer im Mesa Verde National Park an. Hier bauten die Indianer ganze Siedlungen in die steilen Canyonwände des Parks, um vor Angreifern geschützt zu sein. Auf der Weiterfahrt merkten wir, dass es deutlich nach oben ging: Wir fuhren durch Schnee, vorbei an Skiliften und Abfahrten, bis wir die Great Sand Dunes erreichten. Natürlich erklommen wir - oder zumindest einige von uns – die höchste Düne und ließen uns vom eisigen Wind sandstrahlen. Die Wüste liegt am Fuße der schneebedeckten Sangre de Cristo Mountains, deren Anblick Heimweh nach den Berchtesgadener Alpen erweckte.

Nach einem Zwischenstopp im Oklahoma City Memorial und Museum, das an den grausamen, 1995 von einem "patriotischen" Amerikaner verübten Terroranschlag (einer der schlimmsten Anschläge der Geschichte der USA) auf das Murrah Federal Building erinnert, fuhren wir weiter nach Conway in Arkansas. Auf der Fahrt wurde aus dem strahlend blauen Himmel auf einmal eine dichte Wolkendecke, in der sich immer bedrohlichere, schwarze Gewitterwolken auftürmten. Tornadowarnungen schrillten aus unseren Handys und dem Autoradio, doch wie alle anderen Fahrzeuge fuhren wir unbeirrt bis ins Hotel weiter. Auch Conway wurde an diesem Abend von Wirbelstürmen heimgesucht, deshalb mussten wir den Abend in der Hotellobby verbringen, um uns im Notfall auf den fensterlosen Toiletten in Sicherheit zu bringen. Glücklicherweise zog das Unwetter an uns vorbei und verschonte uns, aber ein beunruhigendes Gefühl blieb dennoch zurück. Nach der abenteuerlichen Nacht fuhren wir nach Memphis, wo natürlich Graceland und das Sun Studio nicht fehlen durften, schließlich ist die Stadt “Home of the Blues and the birthplace of Rock n’ Roll”. Aber da Memphis nicht nur in der Musikgeschichte eine große Rolle spielte, sondern auch einen bedeutenden Ort für die Civil Rights Movement darstellt, nutzten wir die Gelegenheit, um uns über dieses Thema im National Civil Rights Museum zu informieren. Das Museum wurde an dem Ort errichtet, an dem die Leitfigur der Bürgerrechtsbewegung, Dr. Martin Luther King, 1968 einem Attentat zum Opfer fiel. Als letzte amerikanische Stadt wartete New Orleans auf uns, wo just an diesem Tag ein riesiges Musikfestival am Ufer des Mississippi River stattfand. Wir teilten uns in Gruppen auf und erkundeten das Festival und auch das French Quarter, jenes alte, von den Franzosen erbaute Viertel, das heute als das Amüsierviertel der Vereinigten Statten gilt.

Leider verging unsere Zeit in den Vereinigten Staaten viel zu schnell, aber zum Glück trennten uns noch ein paar richtig coole Tage in Pensacola, Florida, mit Sonne, Strand und Meer vom Heimflug. Das Highlight war eine Kanufahrt auf dem Blackwater River, die nur die wenigsten trocken und ohne zu kentern überstanden – die Begleitlehrer ausgenommen. Wir besuchten ein Flugzeugmuseum auf einer Navy Base, die die Kunstflugstaffel der Blue Angels beherbergt. Zufälligerweise übten sie, als wir dort waren, und so ließen auch wir uns von sechs röhrenden Kampfflugzeugen in ihren Bann ziehen. Dann hieß es auch schon, unsere drei liebgewonnenen Vans ein letztes Mal zu beladen, zum Flughafen nach Atlanta zu fahren uns von den USA zu verabschieden. Die vier Wochen werden wir alle, dank der professionellen Reiseleitung, als eine unvergessliche, abenteuerliche und lehrreiche Zeit im Gedächtnis behalten. So eine Fahrt macht man nur einmal im Leben.

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